Warum ich mit der Gewaltfreien Kommunikation fast Freundschaften verloren hätte

Ein Moment, der mein Leben veränderte

Ich glaube, fast jeder kennt dieses Gefühl.

Man entdeckt etwas, das das eigene Leben verändert.

Und plötzlich möchte man, dass alle anderen das auch kennenlernen.

Vielleicht war es eine neue Art der Ernährung. Vielleicht die Erfahrung mit Meditation. Oder ein Buch.

Bei mir war es die Gewaltfreie Kommunikation.

Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich erlebt, wie es sich anfühlt, wirklich gehört zu werden. 

Nicht bewertet, unterbrochen oder mit Ratschlägen überschüttet – sondern einfach gehört.

Diese Erfahrung hat mich tief berührt. Und sie hat etwas in Bewegung gebracht.

Ich wollte mehr davon.

Nicht nur für mich – auch für meine Freunde.

Ich wollte tiefere Gespräche. Mehr Verbindung. Mehr Verständnis.

Ich wollte, dass sich etwas verändert.

Heute würde ich sagen:

Ich hatte mich in die Gewaltfreie Kommunikation verliebt.

Aber ich hatte sie noch nicht verkörpert.

Was ich damals nicht erkannte

Vor allem ein Thema beschäftigte mich damals:

Gehört zu werden.

Zum ersten Mal hatte ich verstanden, wie wichtig dieses Bedürfnis für mich war.

Und weil ich endlich Worte dafür hatte, begann ich, sie zu benutzen. Ich sprach darüber:

  • dass ich gehört werden möchte,
  • mir mehr Empathie wünsche,
  • und wir anders miteinander sprechen.

Ich war überzeugt, auf einem guten Weg zu sein.

Heute sehe ich etwas, das ich damals nicht sehen konnte:

  • Ich glaubte, Bitten zu stellen.
  • Aber in Wirklichkeit stellte ich oft Forderungen.

Ich wollte unbedingt, dass meine Bedürfnisse erfüllt werden.

Meine Freunde konnten das spüren.

Aber einige Freunde zogen sich zurück.

Damals tat das einfach nur weh.

Ich dachte, sie würden sich auf das, was mir so wichtig geworden war, nicht einlassen.

Heute sehe ich das anders:

Das Problem waren nicht meine Freunde – das Problem war ich.

Das Wesentliche der GFK findet sich in unserem Bewusstsein über die vier Komponenten wieder und nicht in den tatsächlichen Worten, die gewechselt werden.“

Marshall B. Rosenberg

Worte können schneller wachsen als Haltung

Ich hatte verstanden, wie Gewaltfreie Kommunikation klingt. Aber nicht, wie sie sich anfühlt.

Ich kannte Worte.

Doch meine Haltung war ihnen noch nicht gefolgt.

Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, empfinde ich erstaunlicherweise keine Scham – eher Mitgefühl.

Denn wie hätte es anders sein sollen?

Wenn wir etwas entdecken, das uns tief berührt, möchten wir es teilen.

Das ist etwas zutiefst Menschliches. Sogar etwas Wunderschönes.

Doch eine neue Haltung braucht Zeit.

Sehr viel Zeit.

Sie wächst durch Erfahrungen, Irrtümer und ehrliches Feedback.

Und manchmal auch dadurch, dass wir schmerzhaft die Wahrheit erkennen:

Ich wollte gerade gar keine Verbindung.

Ich wollte, dass sich mein Gegenüber verändert.

Timo Gesterkamp ist Trainer für Gewaltfreie Kommunikation in Mainz und weltweit online

Dran bleiben, mit GFK-Tipps!

Begeisterung bewahren – und Geduld lernen

Heute beobachte ich etwas Ähnliches bei vielen Menschen, die ein oder zwei meiner GFK-Seminare besuchen:

  • Sie erleben zum ersten Mal echte Empathie.
  • Sie entdecken Bedürfnisse.
  • Und sie gehen voller Begeisterung nach Hause.

Ich freue mich jedes Mal darüber.

Und gleichzeitig werde ich innerlich still, weil ich mich selbst darin wiedererkenne.

Ich wünsche diesen Menschen von Herzen, dass sie sich ihre Begeisterung bewahren.

Aber ich wünsche ihnen noch etwas anderes: 

Geduld.

Logo vom GFK-Trainer Timo Gesterkamp

Es braucht Geduld, ...

  • die Gewaltfreie Kommunikation erst einmal das eigene Leben verändern zu lassen;
  • Fehler machen zu dürfen;
  • und zu erkennen: „Oh, das war gerade gar keine Bitte.“  oder „Jetzt wollte ich Recht haben und nicht verstehen.“

Vielleicht beginnt Wandel genau dort:

Nicht in dem Moment, in dem wir andere verändern wollen.

Sondern in dem Moment, wenn wir bereit sind, uns selbst immer wieder zu verändern.

Was ich mir wünsche: 

Wenn ich auf meinen eigenen GFK-Weg zurückblicke, würde ich vieles anders machen.

Ich würde mir mehr Zeit geben.

Ich würde Fehler machen dürfen.

Ich würde mir Menschen suchen, die mich ehrlich begleiten.

Erst dann würde ich wieder losgehen und könnte wirklich Bitten stellen. Und meine Freunde dürften auch nein sagen und wir wären dann immer noch Freunde.  

Diese eigene Veränderung ist für mich Vorausseuzung für Veränderung und Wandel in der Welt. 

Und genau diese Art von Veränderung wünsche ich mir! 


Ach hätte es damas schon das GFK-Praxisprogramm gegeben! 🤣

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Timo Gesterkamp ist Trainer für Gewaltfreie Kommunikation in Mainz und weltweit online

Timo Gesterkamp

Ich bin Timo Gesterkamp, zertifizierter Trainer für Gewaltfreie Kommunikation und Mediator. Früher agierte ich meinen Ärger mit Kickboxen aus. Heute lehre ich, wie man Konflikte friedlich lösen kann. Meine GFK-Seminare biete ich online an – oder auf Wunsch bei Dir vor Ort.

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